28. Juni 2017 | Interviews zu WhatsApp-Nutzern in Not; freie Software Alternativen

WhatsApp Inc. sammelt Telefonnummern von Nutzern wie Nicht-Nutzern und liest diese automatisch aus den im Telefon gespeicherten Kontakten. Die Nutzer bestätigen bei Anmeldung, die Einwilligung der Kontakte eingeholt zu haben. Tatsächlich haben die Nutzer meist weder die Regelungen gelesen noch die Einwilligung ihrer Kontakte eingeholt. Im Ergebnis werden damit die Kontakte aus mehr als einer Milliarde Telefonen ausgelesen. Nach dem Kleine-Welt-Phänomen ist es damit überwiegend wahrscheinlich, dass WhatsApp jedenfalls die Telefonnummern aller Menschen weltweit bekannt sind.

Nach Auffassung des Amtsgerichts Bad Hersfeld (Beschluss v. 20.03.2017, Az.: F 111/17 EASO) stellt die Weitergabe der Kontaktdaten ohne Einwilligung der Betroffenen eine Datenschutzverletzung dar. Die Mutter eines minderjährigen Nutzers wurde im März 2017 dazu verpflichtet, von allen Kontakten eine schriftliche Einwilligung nachzuweisen und diese künftig zu aktualisieren. Ob diese auf die Anfrage zur Einwilligung diese ablehnen und stattdessen nachträglich eine kostenpflichtige Abmahnung aussprechen (mit Kosten von sicher mehr als 140,- €) wird sich zeigen.

Zu dem am Vortag auch vom SPIEGEL verbreiteten Beschluss führte SWR-Aktuell ein Interview mit mir. In einem weiteren Interview mit Deutschlandfunk Kultur wurde dies gleichermaßen thematisiert. Es bleibt abzuwarten, ob andere Gerichte dem Amtsgericht folgen, was ich nachvollziehen könnte.

Der einzelne Nutzer ist aber sicher der falsche Adressat. Angesichts der ungeheuren Verbreitung von WhatsApp (angeblich mehr als einer Milliarde) muss der Gesetzgeber regulierend eingreifen. Es ist schon nicht einzusehen, weshalb die Telefonnummern von Nicht-Nutzern benötigt werden und sollte untersagt werden.

Die Regelung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von WhatsApp ist weitgehend verständlich, aber durch die Nutzer faktisch nicht einzuhalten. Das wird WhatsApp auch bewusst sein.

Relevanter Auszug aus den AGB: “Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können.”.

Weder WhatsApp noch Facebook nutze ich, doch hat der Mutter-Konzern mit insgesamt angeblich 3 Milliarden Nutzern meine Daten sicher. Dem kann ich nachgehen und von dort Auskunft verlangen.

Die Teilnahme am digitalen Leben ist mit freier Software datenschutzkonform möglich. So können als Alternative zu WhatsApp die Apps Signal oder Wire genutzt werden. Die Kontakte werden anonymisiert als Hash-Wert übermittelt, also nicht im Klarnamen. Generell ermöglicht freie Software eher eine datenschutzkonforme Nutzung und sollte deshalb immer bevorzugt werden.

Hintergründe zu den Messengern finden Sie bei der Free Software Foundation Europe (FSFE) im Blog von Hannes Hausdewell.

Audio-Dateien zu Interviews (mit freundlicher Erlaubnis der Sender):
SWR-Aktuell Radio, Moderator Bernhard Seiler

Deutschlandfunk Kultur , Sendung “Studio 9” (Moderatoren Axel Rahmlow und Vladimir Balzer)
(lokal)

(link)

30. September 2015 | Offene und freie Software (FOSS) wird vielfach von Unternehmen, Behörden und privaten Anwendern genutzt. Stiftungen und FOSS geben ein besonders gutes Team ab. Der Gedanke hinter freier Software entspricht nämlich dem Wesen gemeinnütziger Stiftungen.

5. Berliner Stiftungstag

Berliner Justizsenator Heilmann mit Schinagl
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Weshalb dies so ist, betrachte ich gemeinsam mit Florian Effenberger im Artikel “Open Source für Stiftungen” (PDF-Datei, 345 KB), der in der Ausgabe 03-2015 der StiftungsWelt erschienen ist. Das Magazin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ist im Shop des Stiftungsverbands erhältlich. Florian Effenberger ist Geschäftsführer der The Document Foundation. Diese gemeinnützige Berliner Stiftung steht hinter der freien Office-Suite LibreOffice, die weltweit millionenfach zum Einsatz kommt. Die Stiftung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Die genannten Vorteile gelten gleichermaßen auch für Behörden und Gerichte, weshalb ich den Berliner Justizsenator Thomas Heilmann 2012 anläßlich eines Besuchs auf dem Berliner Stiftungstag auf die Vorteile freier Software aufmerksam machte (siehe Foto). Ein flächendeckender Einsatz ist in der Justiz bisher noch nicht zu beobachten, doch gibt es auch hier bereits erfreuliche Entwicklungen. In der Ausgabe 09-2015 des Berliner Anwaltsblatts (S. 271) teilt er mit, dass alle Berliner Gerichte ab dem kommenden Jahr für das beA erreichbar sind. Das ist in der jetzigen Fassung durchaus kritisch zu sehen.